„Stille, Stille, kein Geräusch gemacht…“ – alles schläft. Wirklich alles?

 

Nein, denn Sie liegen wach. Gedanken kreisen in Ihrem Kopf, Sie wälzen sich unruhig von einer Seite des Bettes auf die andere, um die perfekte Einschlafposition zu finden, die es ja doch nicht gibt. Zwischendurch ein kurzer Blick auf’s Handy – schon fast drei Uhr morgens. Sie zählen die Stunden bis zum teuflischen Klingeln des Weckers und verzweifeln darüber, dass Sie morgen ganz sicher übermüdet sein und sich durch einen langen Arbeitstag quälen werden. Oh und Ihr Chef, der wird das bestimmt auch nicht gerne sehen. Und überhaupt – haben Sie schon Ihren Urlaub beantragt? Sind alle Termine für morgen bestätigt oder haben Sie etwas vergessen? Und dann wäre da noch der Klimawandel, die steigende Miete und und und. Die Liste, worüber wir uns sorgen könnten, scheint schier endlos zu sein.

 

In solchen Momenten fühlt man sich vom Schicksal ziemlich ungerecht behandelt und stellt sich unweigerlich die Frage: Warum ich? Dass Sie mit diesem Problem doch nicht allein sind, zeigen Studien der deutschen Krankenkassen: 80% aller Arbeitnehmer in Deutschland haben mit Schlafstörungen zu kämpfen, 25 Prozent wiederum schlafen durchwegs weniger als die empfohlene Mindestdauer von sechs Stunden pro Nacht. Dies hat nicht nur wirtschaftliche Auswirkungen aufgrund von größeren Konzentrationsschwierigkeiten und Leistungsabfällen, sondern vor allem Folgen, die Sie persönlich betreffen: Dauerhafter Schlafmangel kann nicht nur Ihre Haut altern lassen und Ihren Denkapparat schwächen sondern sogar die Lebenserwartung verkürzen und Sie anfälliger für Krankheiten machen.

 

Was tun?

 

Doch wie kann ich besser schlafen? Einmal im Hamsterrad gefangen fühlt es sich an, als könne man gar nicht mehr ausbrechen und jede weitere Nacht mit Einschlafproblemen erhöht das Stresslevel und den Druck auf den folgenden Abend.

 

Natürlich, der beliebte Tipp, alle technischen Geräte aus dem Schlafgemach zu verbannen, mag insofern Sinn machen, dass wir früher zur Ruhe kommen und weniger abgelenkt im Bett liegen – doch ganz ehrlich: Die Digitalisierung kann nicht der einzige Grund und ein Verteufeln derer nicht die einzige Lösung für ein solches Problem sein.

 

Wenn man sich auf dem Markt umsieht, wird schnell klar, wie präsent das Thema „Schlafstörungen“ ist und wer davon profitiert: Es gibt Einschlaf-Tees, Einschlaf-Podcasts, Einschlaf-Bücher, Einschlaf-Apps und vieles mehr. All dies führt dazu, dass die Schlaf- und Gesundheitsindustrie laut McKinsey jährlich einen Gesamtumsatz von bis zu 40 Milliarden Dollar macht.

 

Wagt man jedoch einen Blick in die Vergangenheit, wird schnell klar: Das ist schon lange so. Sie sind nicht allein, wir sind nicht allein. Es gab sie immer: Die Schlaflosigkeit und die damit einhergehenden Folgen und Lösungsansätze. Und vielleicht ist das ja bis zu einem gewissen Grad auch normal, sei es stress-, situations- oder altersbedingt.

 

Und was auch klar wird: Scheinbar gibt es bisher kein Allheilmittel auf dem Markt, was uns von einem auf den anderen Tag genau zum gewünschten Zeitpunkt friedlich in’s Land der Träume schweben lässt. Und vielleicht ist das ja auch okay so. Vielleicht benötigen wir in entsprechenden Momenten genau diese Gelassenheit und besinnen uns darauf, uns ein wenig abzulenken. Vielleicht nutzen wir die Stunden, um die Ruhe zu genießen, uns mit uns selbst zu befassen, ein wenig zu lesen und die Gewissheit zu haben: Wir sind nicht alleine und auch wenn es nicht immer schön ist – es ist okay.